4. Mai
Heute ist das Fest der irischen Göttin Sheila Na Gig. Ihre Vulva nimmt fast den ganzen Körper ein und die Hände öffnen die Charmelippen wie eine Tür!
Man sollte meinen, eine solche weibliche, feminine Göttin wäre den Weg aller vergessenen Göttinnen gegangen, aber nein: Sie existiert heute noch im Portalbereich alter Kirchen oder ist irgendwo als Schnitzerei im Gebälk versteckt.
Die alte Sheila Na Gig ist nicht vergessen.

Die Sheila-na-gig Figuren, die in irischen, schottischen und englischen Kirchen und Burgen meist am Eingang gefunden wurden, gehen auf die prähistorische Froschgöttin zurück.
Frosch oder Kröte waren zugleich Todes- und Lebenssymbole. Sie wurden mit dem Uterus der Leben spendenden, erneuernden und wandelnden Göttin gleichgesetzt und spielten in der Symbolik des Alten Europa eine herausragende Rolle.
Aber auch die ägyptische Creatrix Haquit wurde als Frau mit Froschkopf dargestellt und ihr Hieroglyphenzeichen war eine Froschfigur. Die altgriechische Göttin Hekate trug den Beinamen "Baubo", was Kröte bedeutet.
Die Abbildung links oben ist indianisch (Nordamerika) und zeigt die Froschgöttin in der gleichen Haltung wie das Amulett aus Thessalien, die Amphore aus Kreta oder die Figur aus Anatolien (Abb. unten).
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Das hier abgebildete Amulett aus schwarzem Stein ist mit Löchern verziert, mit deren Hilfe es wahrscheinlich an einem anderen Objekt befestigt oder aufgehängt wurde. (Thessalien; um 6300, etwa 6 cm hoch)
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Die Kröte war das heilige Tier der litauischen Göttin des Todes und der Lebenserneuerung Ragana und zugleich deren wichtigste Erscheinungsform.
Die Vorstellungen, die in jüngerer zeit mit Frosch und Kröte verbunden werden, können uns auch Aufschlüsse über ihre Bedeutung in der Vorgeschichte geben.
Im bayerischen Alpenraum existierte bis ins vorige Jahrhundert die Vorstellung, dass Kröten, die man an den Marienfesten am 15. August und 8. September tötete, besondere Heilkräfte besäßen. Tötete man sie dagegen an einem anderen Tag des Jahres, bedeutete das den sicheren Tod.
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 Amphore mit Frosch oder Kröte. (Erster Palast in Phaistos, Kreta; frühes 2. Jahrtausend; 12,5 cm hoch) |
 Mischwesen aus Frosch und Frau sind in Anatolien häufig anzutreffen. (Hacilar; Ende 6. Jahrtausend) |
An beiden Feiertagen fingen die menschen die Kröten und nagelten sie an Haus- und Stalltüren, um sich und ihr Vieh vor Krankheit und Tod zu schützen.
Bis heute halten die Menschen in manchen gegenden Europas die Kröte für die Vorbotin einer Schwangerschaft. Es gibt im Volksglauben und in der ägyptischen, griechischen, römischen und späteren Geschichte zahlreiche belege dafür, dass in der Kröte eine Erscheiningsform der Göttin oder ihres Uterus gesehen wurde.
In vielen Ländern wird das Quaken der Frösche im Frühling als das Weinen ungeborener Kinder interpretiert; der Frosch verkörpert demnach die Seele des noch nicht menschgewordenen Kindes. Und wie sieht es aus, wenn ein fliegender Storch einen Frosch im Schabel hält? Wie ein kleines, zappelndes Kind! Nun, die Göttin ist - zwar oft versteckt - noch überall zu finden.
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