Im Mahabharata berichtet die Göttin Cunti: "Frauen lebten früher nicht eingekerkert in Häusern und in Abhängigkeit von ihren Ehemännern und Verwandten. Sie pflegten sich frei zu bewegen und vergnügten sich so, wie sie wollten ... Sie klebten zu der Zeit nicht treu an ihren Gatten, und trotzdem ... wurden sie nicht für sündhaft gehalten, denn es handelte sich um die gutgeheißene Sitte jener Zeit!" (Barbara G. Walker)
Einführung Besuchsehe - Beispiele Geregelte Gruppenehe - Patriarchale Polygynie - Polyandrie, z.B. in Tibet Kreuzheirat Dienstehe Brautkauf
Seit dem Siegeszug des Christentums wird uns unablässig verkündet, dass "ein geordnetes Zusammenleben unter Menschen erst durch patriarchale Gesetzgebung, dass die 'sittlich hochstehende Ehe' nur im Zusammenhang mit dem monotheistischen Ethos überhaupt möglich gewesen sei. Erst der männlich ordnende Geist habe Hordenleben, Barbarei und ungezügelte Promiskuität überwunden." (Gerda Weiler)
In den ersten Kapiteln der Genesis wird suggeriert, die patriarchale Ordnung habe von Anfang an bestanden.
Doch weder bestand die Einehe vom Anbeginn aller Zeiten an, noch lebten die Menschen früher in einer unkontrollierten Horde in ungezügeltem Gruppensex. Sie hatten im Gegenteil höchst ausgefeilte Eheformen, die nur anders als die uns bekannten waren.
Der Mann gehörte meist lebenslang der Sippe seiner Mutter an. Wenn er eine längerfristige sexuelle Beziehung - und damit einhergehend soziale Bindungen und Verpflichtungen - einging, verließ er sie vorübergehend, "um einer Frau anzuhangen und mit ihr ein Fleisch zu werden" (Christa Mulack), wie es noch in der Bibel heißt.
In der Sippe der Frau hatte der Mann während seines Aufenthalts soziale Pflichten, seine eigentliches Zuhause aber blieb seine mütterliche Sippe. Klappte die Beziehung nicht (mehr), so trennten sich die Paare problemlos. "Fand der Mann keine andere Partnerin innerhalb der Sippe der Frau oder fügte sich nicht ein in die Zusammenarbeit mit den anderen Männern, so musste er die Sippe verlassen und sich in einer anderen Sippe umschauen." (Christa Mulack) Wenn nicht woanders, fand er wieder Aufnahme bei seiner Mutter oder Schwester.
In einer matrilinearen Gemeinschaft können also Liebschaften nach individuellem Belieben stattfinden. Die Beziehung hängt nicht von moralischen Zwängen ab und muss auch nicht in eine feste Beziehung einmünden.
Das heißt nicht,
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dass Frauen oder Männer fanatisch auf Partnerwechsel aus sind.
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dass Frauen Männer als Sexobjekte behandeln.
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dass Kinder unversorgt und heimatlos bleiben
es ist vielmehr eine stabile und unverkrampfte Art, Familien zu organisieren.
Besuchsehe
Die matriarchale Welt kannte kein ständiges Beieinander von Frau und Mann.
Die Frau war unabhängig und frei, ihr gehörten Haus, Acker und Vieh. Der Mann war oft unterwegs, in späteren Zeiten mit den Herden seiner Frau, und kam zu Besuch, meist zu kultischen Feiern, die allerdings häufig waren.
Im Matriarchat ist es immer der Mann, der ins Haus seiner jeweiligen Partnerin zog.
Noch in der uns vorliegenden patriarchal bearbeiteten Fassung der Bibel sagt Gott zu Adam: "Du wirst Vater und Mutter verlassen und..." - ein letzter Rest einer Jahrtausendealten Gesellschaftsform. Es gab keine Ehe in unserm Sinn (und schon gar keine Kleinfamilie).
Vater - Mutter - Kind war unbekannt.
Frauen und Männer wechselten ihre Beziehungen nach Gutdünken, so wie es Paare heutzutage auch tun, nur im Matriarchat geht das reibungslos und ohne Schuldgefühle. Im vorislamischen Arabien genügte es, wenn eine Frau ihr Zelt in drei aufeinanderfolgenden Nächten nach Osten drehte, um sich von ihrem Mann zu trennen. Der Jesuit Joseph Götz hält fest: "Alles weist darauf hin, dass die Frau damit begonnen hat, Pflanzen für die Ernährung anzubauen (...). Die Frau besitzt die Felder und Behausungen (...). Heiraten binden an den Ort der Frau. Der Mann lebt mit seiner Frau in ihrem Dorf oder er bleibt bei seiner Mutter. Wirtschaft und Gesetz drehen sich um die Frau."
Die halbnomadische Lebensweise der israelitischen Stämme begünstigte diese be´ena-Ehe, bei der die Frau sesshaft war, während der Mann mit den Herden unterwegs ist. In der Bibel finden sich viele Männer, die mit den Herden ihrer Frauen umherziehen. Der Mann gehörte bei dieser "Besuchsehe" zur Familie seiner Mutter, führte - wie Gerda Weiler für den Bereich des alten Israel beschreibt - meist "ein eher unstetes Leben und besuchte seine Frau mehrmals im Jahr, besonders zu den großen kultischen Festen und zu jahreszeitlichen Fixpunkten."
Im allgemeinen kehrte der Mann nach einer Trennung bzw. zwischen zwei Beziehungen ins Haus seiner Mutter zurück. Dort war er stets willkommen - besonders, wenn er über Fertigkeiten verfügte, die der Sippe nützlich waren.
Beispiele für die Besuchsehe
Auch in Sparta wurde noch die Besuchsehe betrieben, "ohne Tisch- und Bettgemeinschaft", wie Sir Galahad feststellt, des Mannes mit der Ehefrau - die nach Belieben Liebhaber nehmen konnte. Der Ehemann hatte eher keine weiteren Beziehungen; zumindest ist es so über die Könige überliefert.
Bei den Pueblos in Nordamerika lebten und schliefen die Männer in (Erd)Höhlen und kamen zu ihren Frauen nur auf Besuch. Diese Form war hier - wie meistens in matriarchalen Gesellschaften - mit der Gruppenehe verbunden.
Bei den KhoiKhoi (Hottentotten) und den San, den sogenannten "Buschmännern", konnten sich die Männer den Wanderungen eines Clans anschließen, falls sie die Erlaubnis der Clanführerin hatten - als Gegenleistung lieferten sie Jagdbeute ab.
In großen Teilen Ostafrikas hatten Männer kein eigenes Haus, sie arbeiteten in den Häusern ihrer Frauen mit. Oft hatten sie mehrere Frauen, denen sie der Reihe nach gegen Kost und Logis bei der Feldarbeit halfen. Dies ist eines der Beispiele dafür, dass "Vielweiberei" nicht automatisch mit männlicher Vorherrschaft gleichgesetzt werden kann!
Wie die frühen Völker es mit der Monogamie hielten, ist nicht sicher. Heutige matriarchal lebende Völker, die die Besuchsehe praktizieren, wie etwa die Mosuo in Südchina, halten jedenfalls nichts davon, zwei oder mehrere Beziehungen gleichzeitig zu haben. Liebt ein Mann zwei Frauen, muss er sich entscheiden; dasselbe gilt für eine Frau, die zwei Männer liebt.
Geregelte Gruppenehe
Dies ist die älteste, am längsten andauernde und früher allgemein verbreitete Form der Ehe.
Die Sippe und nicht die Einzelperson war "die bestimmende Einheit", und die Ehe wurde nicht zum abstrakten religiösen Wert oder zum privaten Selbstzweck verbogen, sondern sie diente dem Zusammenhalt von Sippen für gegenseitige wirtschaftliche und menschliche Hilfe.
Das hatte viel weitreichendere soziale Folgen, als nur eine andere Form der Ehe zu sein.
Von den IndianerInnen Nordamerikas ist bekannt, dass Mehrmänner- und Mehrfrauenehen häufig waren, wahrscheinlich ein Überbleibsel einer früheren geregelten Gruppenehe, wie sie beispielsweise in Tibet, Nepal und im Himalaja vorkam.
Es ist wichtig zu bedenken, dass weder die häufige und sehr bekannte Polygynie an sich patriarchal, noch die Polyandrie an sich matriarchal ist.
In Afrika beispielsweise kann sich eine Gruppe von Schwestern gemeinsam einen Mann als ihren Versorger und Delegierten nehmen. Sie selber bestimmen diese Eheform, die ihnen ein beträchtliches Maß an Freiheit gibt.
Polyandrie - am Beispiel Tibet
Die Polyandrie, die noch in Tibet, Nepal und den Hochtälern der Himalajakette verbreitet ist, ist nicht einfach nur "Vielmännerei", sondern eine sehr alte Form der Gruppenehe. Hinter der Polyandrie steht die Grundform der Schwestern-Brüder-Gruppenehe. In Tibet ist es besonders kompliziert. Hier kommt es darauf an, wie viele Schwestern oder Brüder in den betreffenden Familien leben. Tibetische Familien haben in der Regel aus ökonomischen Gründen nur drei bis vier Kinder, so dass die Schwester-Bruder-Gruppenehe keine großen Ausmaße annimmt.
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Gibt es nur eine einzige Tochter, die eine Gruppe von Brüdern heiratet, so kommt es zur Variante der Brüder-Vielmännerei.
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Gibt es nur einen Sohn, der mehrere Schwestern heiratet, handelt es sich um eine Schwestern-Vielweiberei.
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Patriarchale Polygynie
Bei der patriarchalen Polygynie, wie sie für den Islam typisch ist, hat der Mann mehrere nicht miteinander verwandte Frauen, die, ohne gefragt zu werden, im selben Haus miteinander auskommen müssen. Der Mann ist ihr Herr.
Die genau umgekehrte Form kommt äußerst selten vor und hat nichts mit der alten matriarchalen Gruppenehe zu tun. Diese besteht dann, wenn eine Gruppe von verwandten Frauen (Schwestern) aus der einen Sippe sich mit einer Gruppe von verwandten Männern (Brüdern) aus der anderen Sippe verheiratet.
Sie dient dem gegenseitigen Schutz beider Sippen und nicht egoistischen Motiven wie die patriarchale Polygynie. |
Es kann auf dieser Basis auch zur Einzelehe kommen. Diese beiden zufälligerweise "einsamen" Ehepartner werden eher bedauert als geehrt, denn die Last aller Sippenpflichten liegt auf ihnen allein!
Es handelt sich hier also bei Monogamie, Polygynie und Polyandrie nur um Teile der Schwestern-Brüder-Gruppenehe, die legale, normale und grundlegende Form der Ehe.
Gemeinsame Haushalte sichern den bescheidenen Wohlstand Tibets. Das wird schon vor zwanzigtausend Jahren und in anderen Weltgegenden nicht anders gewesen sein. Aus diesem Grund wird in Tibet die Brüder-Vielmännerei bevorzugt, da sie die Kinderzahl beschränkte und daher wirtschaftlich günstig war. Durch gemeinsame Arbeit konnten mehrere Brüder leichter Wohlstand bewahren als ein einziger, der mehrere Frauen hatte.
So ist die Brüdergruppe von meistens zwei Gatten sehr stolz auf ihre gemeinsame Gattin, die ihre Arbeit verwaltet, der sie einen guten Status schaffen können. Eine Frau ist um so angesehener, je mehr Brüder sie als Gatten hat. Ihre Kinder gelten als gemeinsame Kinder aller Brüder, doch nur durch ihre Mutter gelten sie als Geschwister.
Die Brüder besuchen ihre Gattin nach genau festgelegter Reihenfolge. Dies ist sinnvoll bei der häufigen Abwesenheit der Männer durch die Ackerbauarbeit und die weiten Wanderungen mit den Herden. Hirten sind mit den Herden meist die Hälfte des Jahres fort. Meist wechselten sie sich zu Hause ab. Oft halten sich nicht alle Brüder im gemeinsamen Haushalt auf. Die jüngeren verbringen längere Zeit in den Lama-Klöstern. Sollte der ältere Bruder sterben, so verlässt der jüngere sofort das Kloster, um seiner Pflicht als nächster Gattin der gemeinsamen Gattin nachzukommen. Auch der Dalai Lama ist Mitglied einer polyandrischen Familie.
In diesem Gruppenehe-System ist jedeR TibeterIn Mitglied, dadurch wissen alle, wo sie Hilfe erhalten und zu geben haben. Es kann jede Person, männlich wie weiblich, nach Belieben noch andere Partner wählen, für Romanzen von Tagen, Wochen oder Monaten. "Da die Ehe ein gegenseitiges Hilfssystem darstellt, ist die Erotik davon teilweise unabhängig." Diese Romanzen gelten als Vergnügen und Spielerei ohne gesellschaftliche Bedeutung.
Es verbinden sich also bei nahezu allen matriarchalen Gruppeneheformen zwei Bindungssysteme: die leicht lösliche Individualehe und die fast unauflösliche Gruppenehe, die ein nicht von Person zu Person, sondern von Sippe zu Sippe eingegangener Vertrag ist.
Gruppenehe - Beispiele
Auch in anderen Weltgegenden gibt es noch Hinweise auf eine früher übliche Gruppenehe.
"Ein Anzeichen für das System der Gruppenehe bei den KeltInnen war, dass viele ihrer mythischen Helden mehrere Väter hatten. Clothru, die Königin von Connaught, heiratete drei Brüder auf einmal; es handelte sich dabei um dieselbe Art der brüderlichen Polyandrie, wie sie bei den Völkern des Ostens, zum Beispiel den Todas und den Singhalesen, üblich war." (Barbara G. Walker)
Die Nairs in Indien betrieben diese Gruppenehe bis ins 19. Jahrhundert. In der Hinduliteratur wird eine Prinzessin erwähnt, die fünf Brüder auf einmal heiratet. In Indien finden wir zahlreiche Spuren brüderlicher Polyandrie.
Im skandinavischen Mythos wiederum ist Frigga die Gattin von Odin, aber auch die seiner Brüder Wili und We - etwas, das in der Schule wie in Nacherzählungen gern übergangen wird.
Kreuz-Heirat
Ein sehr altes, weitverbreitetes Heiratsmuster, eine Variante der Brüder-Schwestern-Gruppenehe, ist die Sippen-Wechselheirat, bei der stets zwei bestimmte, gleichbleibende Sippen sich verbinden.
Es heiraten also seit Generationen Gruppen von Cousinen und Cousins. Der Onkel mütterlicherseits, der der Ratgeber der Braut ist, ist daher der Vater der Bräutigame.
Diese Form der Ehe ist nicht nur in Tibet und Nepal, sondern in weiten Teilen Asiens nachweisbar, allerdings unter dem Einfluss der Hindus und Christen weitgehend zerfallen. Bei den Mosuo in Südchina war sie noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts allgemein üblich.
Tabus
Die ausschließliche Kreuz-Basen-Vettern-Heirat kann nur aus der dauernden Wechselheirat zwischen zwei Sippen entstehen. Damit verbunden ist das Verbot der "unerwünschten" Heirat zwischen Parallel-Cousins, also zwischen der Tochter der Mutterschwester und dem Sohn der Mutterschwester.
Diese wohnen im selben Sippenhaus, eine solche Verbindung würde die Regel der Wechselheirat zwischen zwei Sippen brechen und das okonomisch-soziale Netzwerk innerhalb des Clans nicht unterstützen.
Einzelne Sippenhäuser sind strikt exogam; zwei einander zugeordnete Sippenhäuser strikt endogam.
Das hat nichts mit dem falsch verstandenen "Inzest-Tabu" zu tun, da die beiden Sippen sowieso aufs engste verbunden sind, der Begriff "Inzest" bei diesen Völkern also unbekannt ist. Es geht vielmehr um das beständige Knüpfen eines sozialen Netzes, denn die in diesem Arrangement befindlichen Häuser stehen in einem gegenseitigen Verpflichtungsbund oder Hilfssystem. Die Heiratsregeln dienen dazu, dieses Netz der Wechselseitigkeit zu weben.
Dienstehe
Oft mussten die Männer eine Bewährungszeit als Knecht auf sich nehmen, wenn sie in eine Sippe einheiraten wollten. Der biblische Jakob diente sieben Jahre lang, um Rahel als Frau zu gewinnen.
Auch bei den Tupi in Südamerika gibt es die matrilokale Dienstehe. |
Mehrere Bewerber arbeiten im Haus der Frau oder ihrer Eltern bis zu drei Jahren mit und wer sich am besten bewährt hat und gut in die Gemeinschaft passt, wird als Gatte angenommen. (Im Patriarchat haben wir noch ein Überbleibsel davon: die Verlobungszeit.)
Bei vielen Völkern war der Ehemann verpflichtet, das Land seiner Frau zu bearbeiten. Bei angelsächsischen Stämmen hieß Landarbeit "husbandry", abgeleitet von "husband" für Ehemann. Dieses Wort für Ehemann, "husband", bedeutet: "ein an das Haus (hus) Gebundener" und erinnert noch an die Funktion, die der Ehemann im alten angelsächsischen Matriarchat hatte. Dieser "husband" gehörte verwandtschaftlich zu seiner Muttersippe und blieb - solange die Ehe bestand - ein "Eingeheirateter". Auch im heutigen Patriarchat reden wir von "angeheirateten" Cousins oder Cousinen, was heißt, dass die Leute in dem Familienverband zuhause sind, wo sie geboren wurden.
Beispiele
Bis heute hat sich diese Form des Matriarchats bei den Zuni und den Puebloindinanern Mexikos erhalten. Das englische "bridegroom" für Bräutigam, bedeutet wörtlich "Diener der Braut".
Nach altem arabischem Gesetz galt ein Mann ohne Eheweib als ein Mann ohne Land. In den vorislamischen matriarchalen Sippen Arabiens erhielt ein Ehemann erst einen eigenen Namen, wenn er ein Kind gezeugt hatte. Dann erst durfte er sich "abu", "Vater der ...", nennen, was aber schon patriarchale Elemente enthält.
Im Südosten Indiens galt ein Ehemann mehr oder weniger als Dauergast im Heim der Frau. Er musste sich, um dort bleiben zu dürfen, durch gutes Benehmen gemäß den Gesetzen des Gastrechts bewähren. Das wirkte sich natürlich auch positiv auf die Kinder aus!
Im archaischen Japan waren Ehemänner Gäste im Haus der Frau, keine Mitbewohner. Das alte Wort für Hochzeit bedeutete wörtlich übertragen "bei Nacht in das Haus schlüpfen". (Dieser Brauch wird in Bayern und Österreich bis heute noch unter der Bezeichnung "Fensterln" praktiziert.) Die patrilokale Hochzeit war in Japan bis ins 15. Jahrhundert hinein unbekannt.
Brautkauf
Die Sitte, die beispielsweise in Afrika weit verbreitet war und teilweise noch ist, ist nicht in sich patriarchal. Dies ist sie nur dort, wo die Frau aus ihrer Sippe herausgekauft wird.
Mit "Brautkauf" wird aber ein ganz anderer Vorgang bezeichnet, nämlich ein "Einkauf des Mannes ins Haus der Frau", eine männliche Mitgift also, die z.B. in altägyptischen Heiratsabkommen eine wichtige Rolle spielte.
Bei den Tuareg in Nordafrika und der Sahara betrug sie vier weiße Eilkamele; mit diesen betrieb die Frau Handel. Bei einer Scheidung verblieben sie in ihrem Besitz, und da sie die Ehe nach Belieben lösen konnte, brachte sie im Laufe der Zeit eine nette Anzahl Tiere zusammen.
Trotzdem hatten die arabischen Frauen offenbar keine Probleme, immer wieder Männer zu finden, die sich einkauften. Das ist einen Gedanken wert, oder?
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