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Die Lust

Lust gehört zu den Gefühlen.

Gefühle kannst du nur haben, wenn du einen Körper hast. Sie werden über die Nervenbahnen ins Gehirn transportiert, und das wiederum sagt dir, um welche Art von Gefühl es sich handelt.

Gefühle gehören zum menschlichen Sein und sind wichtige Kommunikationsformen. 

Die Gefühls-Kommunikation ist jeder anderen Kommunikation überlegen, weil es die schnellste ist und die Person sofort reagieren kann, wenn nötig. Beispielsweise bei Angst.

Natürlich ist es nicht immer wichtig, schnell ein Gefühl zu spüren, etwa bei Trauer. Denn die meisten Gefühle dauern ohnehin über einen längeren Zeitraum, während dessen sich ein Wandlungsprozess vollzieht.

Ein Gefühl kann eine persönliche Entwicklung zu mehr Bewusstsein auslösen, es kann ein Erkennen hervor rufen oder einfach nur zum Wohlbefinden beitragen.

Wohlbefinden ist sehr wichtig als Ausgleich zu der menschlichen Begrenztheit, der wir unterworfen sind. Begrenztheit sowohl körperlich als auch in unserem Denkvermögen, denn so viel wir uns auch bemühen, manches kann unser Körper einfach nicht tun und manches können wir mit unserem Denken nicht verstehen.

Wenn wir trotzdem mit uns selbst im Einklang stehen wollen, brauchen wir Wohlbefinden, denn das relativiert die Begrenztheit. Je intensiver du ein Gefühl empfindest, d.h. dich deinen Emotionen hingeben kannst, desto größer wird dein Wohlbefinden sein.

Gefühle sind etwas Ursprüngliches - jedes Baby kennt das ganze menschliche Gefühlsspektrum. Es ist anfangs seine einzige Kommunikationsform und -möglichkeit. Diese Kommunikationsmöglichkeit ist völlig ausreichend - nicht nur für Babys - , denn Menschen sind in der Lage, die Gefühlsenergien anderer Personen aufzunehmen und mitzufühlen und wiederum Gefühle zurückzugeben. Und daher zu wissen, was die andere Person empfindet. Eine Mutter z.B. kann den Schmerz und die Angst eines Kleinkindes nachfühlen, wenn diesem ein neuer Zahn wächst und entsprechend reagieren.

Lust ist ein Gefühl, das bei anderen Personen sexuelle Erregung hervorrufen kann, oder auch bei uns selber. Lust ist seltsamerweise das einzige Gefühl, das auch mit Sinnlichkeit bezeichnet wird, wobei natürlich alle Gefühle sinnlich sind und, wie gesagt, über den Körper (Sinne) aufgenommen und per Nerv weiter geleitet werden.

Im Patriarchat werden Gefühle üblicherweise unterdrückt. Anders könnte das System nicht funktionieren. Es beruht ja auf Herrschaft und die wiederum auf Gewalt. 
Wenn ich jedoch Gewalt ausübe, hat die betroffene Person Gefühle dazu, und zwar leidvolle. Fühle ich diese Gefühle mit, dann geht das auf Kosten meines eigenen Wohlbefindens. Also muss ich meine Gefühlsfähigkeit unterdrücken und blockieren, sonst leide ich zwangläufig mit und würde die Gewalt gegen die andere Person lieber bleiben lassen. Dann könnte ich aber nicht herrschen.

Wie wird Gefühls-Energie unterdrückt? Wie alle Energie, kann auch diese Energie nicht zum Verschwinden gebracht werden (erinnere dich an den Physikunterricht). Energie kann nur umgewandelt werden. Patriarchale Herrscher müssen also eine Energieform für sich finden, die akzeptabler ist, als leidvolle Gefühle zu haben.

Was machst du, wenn du in einer Situation bist, wo du deine Gefühle nicht zeigen willst? Genau - du hältst erst mal die Luft an. Flaches Atmen vermindert die Emotionsfähigkeit enorm. Was noch? Du spannst deine Muskeln an, machst dich steif. So, dass nichts mehr durch kann - damit verlierst du deine Durchlässigkeit und hast einen verspannten und erhärteten "Muskelpanzer". Willst du noch eins draufsetzen, dann verschaffst du dir einen weiteren Panzer indem du dir dir Speck an futterst.
Nun schau dich mal um: Die ganze Gesellschaft atmet flach. Wessen Muskeln sind nicht verspannt? Fast alle haben einen Ganzkörper-Panzer. Das ist teuer! Womit bezahlen wir? Mit  Wohlbefinden.

Stell dir vor, du wachst jeden Tag mit einer Energie auf, von der du dir nicht vorstellen kannst, dass sie noch zu verbessern wäre. Es geht dir gut, saugut sogar - jeden einzelnen Tag. Welche Konsequenz hätte das? Du wärst zufrieden, du wärst kreativ, du wärst leistungsfähig und stark, du hättest Ideen, die du umsetzen wolltest. Du würdest dich selbst gern haben und dich genießen. 

Und: du würdest alles dran setzen, dass dieser Zustand bleibt! 
DU
und nur du würdest über dich bestimmen wollen!

Aber: weil du nicht mehr verunsichert und verängstigt wärst, könnten dir andere nicht mehr erzählen, was du zu tun hast und was angeblich für dich das Beste ist! Denn du wüsstest es ja selbst ganz genau.

Und da gibt es Leute, die auf keinen Fall wollen, dass es dazu kommt. So wurden Herrschaftsmethoden entwickelt, die dich von Wohlbefinden trennen, damit du manipulierbar bist. Eine dieser Erfindungen ist die Sünde. Eine weitere die Schuld.
Das funktioniert ganz einfach: Es wird definiert, dass alles, was dir Wohlbefinden verschafft, Sünde ist. Zum Beispiel Lust. Menschen tendieren aber von Natur aus dazu, sich selbst in Harmonie zu bringen, was durch Wohlbefinden erreicht wird. Und haben einfach weiterhin Gefühle, zum Beispiel Lust. 
Nein, nein, sagen die Patriarchen: Schuldig! Wer Lust hat, sündigt und das ist schlimm und deshalb bist du schuldig und musst bestraft werden. Jeder katholische Pfarrer kann dir sagen, wie diese Strafen aussehen (drei Vaterunser, usw.).

Dies läuft alles raffinierter und subtiler ab, als ich es hier skizziert habe, so subtil, dass die meisten Leute es gar nicht durchschauen. Das Patriarchat hatte ja auch bis heute zwei-, dreitausend Jahre Zeit, die Methoden zu verfeinern.

Übrigens: Sünde ist auch, die Dinge zu Hinterfragen! Also tu es nicht, denn sonst bist du schuldig, wirst mit einem schlechten Gewissen bestraft und mit jeder Menge Angst!

Anmerkung: Viele Leute lesen diesen Text und gehen zum nächsten Thema über oder denken " So schlecht geht es uns doch gar nicht" und "Wer weiß, ob das mit dem Wohlbefinden überhaupt stimmt..."

Das ist der Grund, warum sie weiterhin innerlich unzufrieden bleiben und "außen" suchen, um ihre Sehnsucht nach Wohlbefinden zu stillen, anstatt in sich selbst.

 

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