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Vulva

Eve Ensler in dem Bühnenstück "Vagina-Monologe":

"Vagina. Jetzt habe ich es ausgesprochen. Vagina. Und nochmal... Was wir nicht aussprechen, wird ein Geheimnis, und Geheimnisse erzeugen oft Scham, Furcht und Legenden. Ich spreche es aus, weil ich mich eines Tages nicht mehr beschämt und schuldig, sondern gut fühlen will, wenn ich es ausspreche. ... Meine Vagina war etwas, das da unten war, weit weg. ... Sie war ein belasteter, mit Angst besetzter Ort. ... Später, nachdem du das Wort zum hundertsten oder tausendsten Mal ausgesprochen hast, wird dir klar, daß es DEIN Wort ist, DEIN Körper, DEIN wichtigster Ort."

Mehr zu den Vagina-Monologen im Kasten unten.

Sheila-na-gig

Sheila-na-gig ReliefDie geschnitzte Darstellung einer nackten Frau, die mit gespreizten Knien hockend ihre Vulva präsentiert, die als vesica piscis oder doppelt zugespitztes Oval gezeigt wird, ist das Symbol für die Göttin Sheila-na-gig. Manchmal weist die Figur die vesica mit beiden Händen auseinandergezogen vor oder öffnet sie mit einer Hand.

Sheila-na-gig-Figuren gab es überall in alten irischen Kirchen, die vor dem 16. Jahrhundert gebaut worden waren. Vielen begegnete man noch im 19. Jahrhundert, aber durch viktorianische Prüderie wurden sie häufig beschädigt oder zerstört. Viele Figuren fand man vergraben in der Nähe jener Kirchen, die sie einst geschmückt hatten.

Sie ähneln den yonischen Statuen der Kali an den Eingängen von Hindu-Tempeln; hier feuchten die Gläubigen einen Finger an und berühren die glückbringende Yoni.

DIE VAGINA-MONOLOGE

"Meine Vagina ist eine Muschel, sie öffnet und schließt sich wie eine Muschel. Meine Vagina ist ein Haus, das meine Freude beherbergt. Meine Vagina ist etwas ganz Besonderes, ein Diamant..."

"Dieses Stück ist entstanden, weil ich anfing, mir über die Vagina Sorgen zu machen. Bei mir fangen die meisten Dinge so an - etwas macht mir Sorgen." So beginnt das Stück der amerikanischen Autorin Eve Ensler, mit dem sie 1997 den Obie Award gewann. Es war der Hit am Off-Broadway und tourte international in Theatern und Universitäten. "Die Vagina-Monologe" sind eine kleine, kunstfertige Hinterfragung aber auch Anregung zur weiblichen Selbsterkenntnis, eine liebevolle Aufforderung an alle Frauen, den eigenen Weg zur Lust zu finden und gleichzeitig ein entschiedenes Plädoyer gegen sexuelle Gewalt.

Frauenpower im Berliner Theater

Eve Ensler "Die Vagina-Monologe" Nautilus Verlag

V-Day.org 

Vagina Monologues 

Weitere Links

Spiritvoices

Vagina

Diese und andere Vaginas sind erhältlich bei The Wondrous Vulva Puppet

Yonitalk

Die älteren Yonis sind durch die vielen Berührungen tief ausgehöhlt. Der hervortretende Brustkorb vieler Sheila-na-gig-Figuren erinnert an die Darstellungen der Kali als Todesgöttin. In der irischen Überlieferung lebt sie weiter als Caillech oder "Alte Frau", die nicht nur Todesgöttin, sondern auch Schöpferin ist und einst alle Menschenrassen gebar. Die KeltInnen schützten ihre Haustüren stets mit einem weiblichen Genitalfetisch und legten auch ihre Siedlungen in Hufeisenform an, dem klassischen Omega-Zeichen der Kalika.
In Indien stand das Omega für den weiblichen Kosmos, in dem der Gott Shiva seinen immerwährenden sexuellen Schöpfungstanz aufführte; allerdings wurde er auch der Kali gleichgesetzt und erhielt ihren Titel Zerstörer

Die Herkunft des Ausdrucks Sheila-na-gig ist dunkel. Er bedeutet so etwas wie "Vulva-Frau". Gig oder Giggie steht für weibliche Genitalien und könnte mit dem irischen jig verwandt sein. Dieser Tanz stammt von der französischen gigue und war in vorchristlicher Zeit ein orgiastischer Tanz. Im alten Erechtheion scheint eine gig eine heilige Yoni gewesen sein; die heiligen Priesterinnen des Tempels waren als nu-gig bekannt.

Die "Baubo", eine Göttin aus der griechischen Antike, versinnbildlicht das Sprechen mit der Yoni. Yoni ist ein Wort aus dem Sanskrit und es kann als Vulva, Schoß, Ursprung und Quelle übersetzt werden. Mit Yoni ist der ganze weibliche Genitalbereich gemeint.

Die Beschreibung der Baubo erinnert an die jungsteinzeitlichen Frauen-Idole ohne Arme und Beine, jedoch mit ausgeprägten Brüsten, Bäuchen oder auch Geschlechtsorganen. In der Geschichte von Demeter und Baubo ist es ja gerade die Tatsache, dass Baubo ihre Vagina zum Sprechen benutzt, die etwas besonderes bewirkt.

In Clarissa Pinkola Estés' Buch "Die Wolfsfrau" erwähnt sie ein spanisches Sprichwort: "El habla por en medio de las piernas". Sie spricht durch die Organe zwischen ihren Beinen. 
Damit ist die intuitive, schlagfertige, offene Ausdrucksweise einer Frau gemeint, die auch eine fröhliche, ganz und gar un-verschämte Art von sexuellem Humor beinhalten kann. Vielleicht auch eine "Weisheit aus dem Bauch heraus", die dahinter steht und die Überzeugung, dass ich mich als Frau nicht zu verstecken brauche, mit meiner Meinung und meinem Urteil, dass aus mir, aus meinem Körper, Kopf, Herz und Seele kommt.

Clarissa Pinkola Estés: "Die kopflose Bauchgöttin ist schon lange meine mythologische Lieblingsfigur. Ihre äußere Gestalt ist zweifellos auf die jungsteinzeitlichen Idole zurückzuführen, die weder Köpfe noch Arme und Beine haben, oder wenn, dann nur ansatzweise. Es reicht nicht aus, sie als Fruchtbarkeitssymbole zu bezeichnen, denn solche Figuren sind weit mehr als das. Sie sind in Stein gemeißelte Sinnbilder für alles, was in Frauengesprächen erörtert wird - ihr wisst schon, was ich meine -, die Art von Gesprächen, die man normalerweise nie im Beisein von Männern führt.
Die Bauchgöttin repräsentiert eine Sensibilität und Ausdrucksweise, die vom Uterus kommt, von den Brustwarzen und allen anderen Geschlechtsorganen der Frau, in denen Gefühle ausgelöst werden können, die andere sich vielleicht vorstellen mögen, aber nicht von Natur aus empfinden. Für mich ist der Kaffeeklatsch ein Überbleibsel aus alten Zeiten, in denen rituelle Frauenversammlungen Sitte waren. Die Frauen hockten sich im Kreis um einen zentralen Kultgegenstand, um sich gegenseitig in die Mysterien ihrer Femininität einzuweihen und sich die unverbrämte Wahrheit zu sagen, wonach, wie es auch heute noch der Fall ist, gealbert, gejuchzt und tief aus dem Bauch heraus gelacht werden durfte, bis alle erleichtert und gestärkt nach Hause gingen.

Es ist nicht immer einfach, die Männer loszuwerden, damit die Frauen endlich einmal unter sich sein können.

Ich weiß, dass die Frauen des Altertums ihre Männer ermuntert haben, "auf die Jagd" und "zum Fischen" zu gehen. Offenbar benutzen Frauen schon seit Menschengedenken dieselbe List, um ein Weilchen nur für sich sein zu können oder in einer rein femininen Atmosphäre, die als heilsam und befreiend empfunden wird. 

Die männliche Energie soll hier nicht herabgewürdigt werden, sie ist großartig, inspirierend und unendlich viel mehr. Aber von Zeit zu Zeit wird sie genauso übersättigend wie ein Übermaß an Schweizer Schokolade. Dann sehnen Frauen sich geradezu nach einer reinigenden Diät mit klaren Suppen und braunem Reis, um alle Kanäle durchzuspülen und massiveren Verstopfungen vorzubeugen. 

Baubo, die Göttin des Bauches, vermittelt den Frauen die interessante Idee, dass ein bisschen Obszönität speziell die Damen aus einer Depression herauskatapultieren kann. Tatsächlich ist eine gewisse Respektlosigkeit, wie sie in intimen Frauengesprächen zum Ausdruck kommt, oft heilsamer als ein ganzer Schrank voller Arzneien.
Pietätlose Formulierungen und eine Albernheit, bei der die Grenzen des guten Geschmacks gesprengt werden, graben dem selbstgerechten Zorn und dem Selbstmitleid das Wasser ab.
So wird die Libido stimuliert; das Interesse am Leben glüht wieder auf. 

Man lacht über sich selbst und die eigenen Verrenkungen - tief aus dem Bauch heraus. Was könnte heilsamer sein? Probiert es aus, es lohnt sich.

Baubo"Baubo" von Bettina Dornics
aus "Die weibliche Stimme", Nr.4

Auf die nächsten beiden Aspekte der Baubo-Geschichte möchte ich nicht ausführlich eingehen, denn solche Diskussionen gehören in einen intimen Kreis von Frauen, die selbst am besten wissen, wovon die Rede ist. 
Ich sage nur soviel: Baubo, die Bauchgöttin, benutzt ihre Brustwarzen wie andere die Augen. Für Männer ist das ein unerklärliches Mysterium, aber Frauen in Workshops nicken enthusiastisch und sagen: "Ich weiß genau, was du meinst." Die Brustwarzen sind ein psychisches Sinnesorgan. Sie reagieren auf Temperaturschwankungen, auf Angst, Zorn, Geräusche, Blicke und andere Stimulanzien. Sie "sehen" Dinge, die die Augen womöglich übersehen.

Was die "sprechende Vagina" von Baubo betrifft, so kann man sie als ein Symbol für die fundamentalen Wahrheiten verstehen, die aus dem Bereich des Urschlunds kommen, der primae materia. Wir wissen nicht, was Baubos Urschlund verkündet hat, nur dass es aus den grundehrlichsten und unverschämtesten Tiefen der Menschlichkeit kam und Demeter, die Rasende, wieder glücklich gemacht hat."

OmegaDas Hufeisen ist eine Stilisierung der Yoni und symbolisiert Eingänge und Ausgänge im allgemeinen. Druidische Tempel wie auch hinduistische und arabische Torbögen bezeugen die Wichtigkeit der Yoni.
Das geheiligte Alphabet der Griechen beinhaltete alle Dinge (Buchstabensymbole) zwischen dem Geburtsbuchstaben Alpha und dem hufeisenförmigen Omega, dessen Name wörtlich "großes Om" bedeutet und das Ende eines jeden Kreises darstellt - die andere Seite der Göttin, den Kali-Teil der Kali-Maya. 

Die Selbstdarstellung des christlichen Gottes als "das Alpha und Omega, der Anfang und das Ende" (Offenbarung 1,8) eignete sich ältere Titel an, die die Mutter der Geburt und des Todes trug. 
Das omegaförmige Hufeisen wurde weiterhin als Glückszeichen über Schwellen aufgehängt. Wie in heidnischen Zeiten, so schützte es die Schwelle auch während der gesamten christlichen Epoche. Aber es gab immer Kontroversen darüber, ob seine Öffnung nach unten oder nach oben deuten solle: Die orthodoxe Frömmigkeit wollte es, dass das Omega umgedreht werden sollte, damit "das Glück nicht herausrinnen könne", die heidnische Tradition jedoch war der Meinung, dass das symbolische, yoniförmige Tor seinen ursprünglichen, nach oben gerichteten Bogen behalten solle. 

Die beiden Arten, wie man das Hufeisen aufhängt, entsprechen übrigens auch den magischen Zeichen von Drachenkopf und Drachenschwanz, dem aufsteigenden und absteigenden Mondknoten. Hier geht es um den Weg des Mondes über und unter der Ekliptik: Wenn man ihn nachzeichnet, kommt  eine Wellenlinie zustande, die die Mond-Schlange darstellt.

 

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