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Die Heilige Schrift

Indianischer NewsrockDass vor mehr als 8000 Jahren bereits eine Schrift erfunden wurde, erschien bisher so undenkbar, dass die Möglichkeit gar nicht in Erwägung gezogen und den Beweisen dafür kaum Beachtung geschenkt wurde. Betrachten wir uns die verblüffende Leistung der damaligen Frauen und Männer, deren Überlieferungen bis in die heutige Zeit reichen.
 

"Da die anfänglichen Inschriften ausschließlich auf religiösen Objekten zu finden sind, können wir davon ausgehen, dass sie als heilige Schriftzeichen gelesen werden sollten." 
- Marija Gimbutas, Die Sprache der Göttin

Mündliche und schriftliche Überlieferung

Matriarchale Kultur ist auch nach 4000 - bis 5000jährigem Patriarchat nicht vollständig verschüttet, zerstückelt und verzerrt. 

Mündliche Überlieferungen und schriftliche Zeugnisse aus der weltweit verbreiteten Epoche des Matriarchats, das in der Jungsteinzeit am höchsten entwickelt war und dessen Vorformen in der Altsteinzeit begannen, reichen bis zu uns. Und es ist ein großes Verdienst der sich entwickelnden, wissenschaftlichen Matriarchatsforschung, dass sie die Zeichen und Symbole matriarchaler Kulturen zunehmend entziffern kann.

Mündliche Überlieferungen sind alle Traditionen, die in Form von

  • Erzählungen
  • Gesängen,
  • kultischen Ritualen,
  • Mysterienfesten

weiter gegeben werden und keine begleitende Aufzeichnung kennen.

Schriftliche Überlieferungen sind aufgezeichnete

  • Zeichen
  • Symbole

Sie sind in der wörtlichen Bedeutung Sinn-Bilder und beide Formen gibt es seit der Altsteinzeit. In Stein gehauen, in Figuren geritzt, auf Gefäße gemalt und in anderer Form.

Das widerspricht der allgemein verbreiteten, patriarchalen Ideologie, dass die Schrift erst erfunden wurde, als Männer zu herrschen begannen und ihre Eroberungstaten und drakonischen Gesetze in Stein meißeln ließen.

Abstrakte Zeichen als Schrift

Der Forscherin Marie König gelang es, in den altsteinzeitlichen Kulthöhlen der Ile-de-France die älteste Schrift aus abstrakten Zeichen zu entziffern. 

Felszeichnungen in Form von Punkten und Strichen bedeckten die Wände dieser Höhlen und kommen überaus reich auch in anderen großen, altsteinzeitlichen Kulthöhlen vor.

Lange Zeit bewunderte mann die eindrucksvollen Tiermalereien an den Wänden dieser Höhlen und schenkte den Punkten und Strichen keine Beachtung. Aber gerade sie erläutern erst die Tierbilder, denn sie sind die älteste Form von Schrift, die bisher gefunden wurde.

Ihre abstrakten Formen sind überaus komplex:

So werden die Striche oft Schriftzeichen

  • parallel  verdreifacht, 

  • zu quadratischen Formen gefügt, Schriftzeichen

  • als Linienkreuze oder Gitternetze eingeritzt, 

  • bis hin zur komplexen "Mühleform".Schriftzeichen

 

Schriftzeichen

Auch die Punkte bilden abstrakte Muster, sie kommen häufig dreifach, sechsfach oder neunfach vor, sie bilden feste Gruppen in Punktereihen oder Punktequadraten.

Wie geht das Patriarchat damit um?

Heide Göttner-Abendroth hat in dem Essay Zeichen und Symbole (in Für Brigida) die Zusammenhänge und Hintergründe der ersten Schriften verständlich und klar dargestellt.

Was aber sagt das patriarchale Lexikon dazu?
Zitat aus MS Encarta.:

"Die Malereien zeigen größtenteils Tiere wie Rinder, Wisente, Pferde, Steinböcke und Wildkatzen, die von geometrischen Figuren, deren Bedeutung unbekannt ist, umgeben sind."

Wenn wir bedenken, dass:

  • Marie König ihr Buch "...Die Zeichensprache der frühen Menschen" 1981 vorgelegt hat
  • unser "modernes" Verkehrssystem in ähnlicher, wenn auch primitiverer, Weise mit Symbolen arbeitet

Dann: Recherchieren patriarchale Lexika-Hersteller entweder nicht ordentlich und setzen uns Unbrauchbares vor...

Oder: Männliche Wissenschaftler sind nicht gut im Analysieren und Herstellen von Zusammenhängen...

Schon diese immer wiederkehrenden Anordnungen weisen darauf hin, dass sie abstrakte Träger von Gedanken sind und Bedeutung haben.

Marie König entzifferte sie als Orientierungszeichen in Raum und Zeit, die sowohl Wegweisung auf der Erde wie Zeiteinteilung am Himmel geben.

Räumliche Orientierung und Zeiteinteilung waren für die altsteinzeitlichen Sammlerinnen und Jäger zum Auffinden von Pflanzen und Tieren wie für den sozialen Zusammenhalt der losen Gruppen von größter Bedeutung.
Die Kommunikation der abstrakten Felsinschriften war deshalb notwendig.

Die abstrakten Zeichen werden bei manchen Kulturen derart gehäuft gebraucht, dass ganze Felsen von ihnen bedeckt sind. Solche "Bilderfelsen" sind in Schweden, Dänemark, der Schweiz, Italien, in ganz Europa verbreitet, und es gibt sie auch in anderen Kontinenten. Auf diesen Bilderfelsen verbinden sich abstrakte Schriftzeichen mit abstrakten Figuren. Was hier zu lesen ist, sind umfangreiche Geschichten, wobei abstrakte Schrift und Symbolschrift einander durchdringen.

In Nordamerika gibt es im Gebiet der historischen Anasazi-Kultur solche Felsen, die von den Archäologen zutreffend "Newspaper-Rocks" genannt werden, denn es handelt sich tatsächlich um archaische "Zeitungen".

Die Bestätigung erhalten wir durch die traditionelle Kultur der Hopi-Indianer in Arizona, die diese Felszeichnungen ihren AhnInnen zuschreiben.
Diese sollen ihre Clan-Wanderungen durch den nordamerikanischen Kontinent an bestimmten Punkten mit diesen Inschriften dokumentiert haben:
Wenn ein Clan vorüberzog, konnte er lesen, wo sich die anderen Clans befanden, und fügte die Zeichen seines eigenen Weges hinzu.

Möchtest du mal ein Foto von solch einem Zeitungs-Felsen sehen? Dann klick hier

So enthalten diese Bilderfelsen tatsächlich die schriftlich dokumentierten "Geschichten" der einzelnen Clans und damit die Geschichte des Hopi-Volkes.

Und jetzt die Überraschung:

Es ist überaus verblüffend zu beobachten, dass diese abstrakten Zeichen aus der Alt- und Jungsteinzeit in Höhlen und Megalithgräbern, auf Gefäßen und Göttinstatuen, so wie auf Felsen in der ganzen Welt die selben sind!

Das heißt:

Sie kommen in übereinstimmender Form in Europa, Afrika, dem Vorderen Orient, Ostasien, Nord- und Südamerika und Australien vor.

Das setzt höchste Abstraktion und Normierung voraus, wie sie für Schrift, damit sie generell gelesen werden kann, notwendig ist.

Die Normierung ist dabei von niemandem gesetzt worden, sondern sie folgt aus der Entwicklung von Schrift unter den gleichartigen Verhältnissen jener Epochen.

Die alt- und jungzeitlichen Schriftzeichen können entziffert werden, da es ethnologisches Vergleichsmaterial gibt, nämlich heutige Völker mit matriarchalen Gesellschaftsmustern, die sich derselben Zeichen als Schrift bedienen.

Beispiele:

  • Die Tuareg-Frauen in der Sahara gebrauchen ihre Schrift Tifinar, die wie die Schrift der Altsteinzeit nur aus Punkten und Strichen besteht und den ältesten Felsinschriften ihres Gebietes gleicht.

  • Die mit ihnen verwandten Berberfrauen im Atlasgebiet kennen dieselben Zeichen und verwenden sie bei der Töpferei und Weberei im magischen Sinne. 

Noch heute stellen diese Zeichen bei den Völkern, die sie benutzen, die Ordnung und die Gesetze der Welt dar und werden mit größtem Respekt gebraucht.

  • Die königlichen Clans der matriarchalen Akan-Völker in Westafrika tradieren dieselben Zeichen als Schmuck an ihren Kronen, als Design auf ihren Gewändern, als Ritzmuster auf ihren Thronschemeln und auf allen Gegenständen des täglichen Gebrauchs.

Die Übereinstimmung der Zeichen und ihrer Bedeutung bei den lebenden afrikanischen Völkern mit jenen der alt- und jungsteinzeitlichen Felszeichnungen ist erstaunlich und gibt uns Hoffnung, durch die fortschreitende Entzifferung der Schrift räumlich und zeitlich sehr ferner Kulturen mehr von diesen erfahren zu können.

 

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