
Die Stadt Catal Hüyük in Anatolien (Türkei) blühte um 7000 v.u.Z. auf einem kulturell hohen Niveau. Ackerbau und Viehzucht waren weit entwickelt und setzen eine lange Vorgeschichte ihrer Entstehung voraus. Die Menschen bauten 14 bedeutende Kulturpflanzen an. Es gab einen regen Handel mit Rohstoffen. Die BewohnerInnen übten eine Vielzahl von verschiedenen Tätigkeiten in Handel, Gewerbe, künstlerischen und religiösen Bereichen aus.
Über 8 Jahrhunderte, bis zur Aufgabe der Stadt, wurden weder Kriege geführt noch Waffen getragen, nichts deutet auf Gewalt hin.
Die Stadt wurde geplant angelegt und gemeinschaftlich organisiert. Catal Hüyük war keine Stadt in unserem Sinn, mit Straßen und Plätzen, sondern wie indianische Pueblos bienenwabenförmig aneinandergeschachtelt.

Dies war eine Folge der Matrilokalität, denn wenn eine Sippe zu groß wurde, fügte sie einen Anbau ans Mutterhaus hinzu. Es gab weder Fenster noch Türen, die Häuser wurden über Leitern durch ein Loch auf dem Dach betreten. Das öffentliche Leben spielte sich also auf der Stadt ab.
Es wurden sehr viele Kultstätten gefunden, die sich von den Wohnhäusern durch ihre reichere Innenausstattung unterschieden. Die Gipsreliefs stellen ausschließlich Göttinnen dar, die in ihrer Abstraktheit überdimensionalen Idolen gleichen und alle in Gebärhaltung zu sehen sind.
Ferner sind Tierköpfe abgebildet, besonders häufig prächtige Stierköpfe. Diese Stierköpfe sind oft unter den gespreizten Beinen der riesigen Göttinnen angebracht, um zu symbolisieren, dass das männliche Prinzip aus dem weiblichen hervorgeht.
In vielerlei Gestalt wurde die Göttin dargestellt:
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zwischen 2 Leoparden thronend,
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als weibliche Doppelfigur mit 2 Köpfen und 4 Brüsten,
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oft als Gebärende.
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In der Gestalt des Geiers zeigte sie sich als Todesgöttin;
denn die Toten wurden auf Gestelle außerhalb der Stadt gebettet, wo die Geier ihre Knochen blank legten.
Die Vorrangstellung der Göttin entsprach der "Vorrangstellung der Frauen". Dies schloss James Mellaart (der Catal Hüyük ausgrub) aus den Bestattungsbräuchen. Die Skelette der Toten bestatteten die Menschen unter Plattformen in den Wohnräumen. Die große fixierte Hauptplattform war die der Frau, die kleine Eckplattform, die öfters auch den Platz wechselte, die des Mannes.
Die Frauen von Catal Hüyük haben ihre bedeutende Stellung nicht "bekommen" oder "erlangt", sie hatten sie inne, sie war die ihre, so selbstverständlich, wie sie atmeten. Niemanden, Frau oder Mann, wäre etwas anderes in den Sinn gekommen.
In der nahegelegenen Stadt Hacilar, das von 7000 - 4730 v.u.Z. besiedelt war, wurden zahlreiche Frauenfiguren gefunden. "... eine Göttin, die auf einem Leoparden sitzt, zwei sich wollüstig zurücklehnende Frauengestalten, zwei sitzende Mutterfiguren mit zur Seite gewandten Beinen, kleine Kinder haltend, und eine große junge Göttin, die einen jungen Gott umarmt" (Kurt Benesch). Eine Statuette zeigt die Göttin beim Liebesakt.
In Alalakh, einer weiteren Stadt in Anatolien, zeigen die Ausgrabungen, dass sich matriarchale und patriarchale Machtverhältnisse abwechselten. Im 3. Jahrtausend v.u.Z. wurde Alalakh von Nomaden erobert, die Heiligtümer der Göttin in solche eines Gottes umwandelten. Im 19. Jahrhundert v.u.Z. kam es zu einem Aufstand der matriarchalen Ur-EinwohnerInnen, der Tempel der neuen Götter und der Palast des patriarchalen Königs wurde zerstört.
Die oberste Schicht der Ausgrabungen zeigt aber, dass um 1200 v.u.Z. die patriarchalen Herrscher gewonnen hatten, denn es wurden zertrümmerte Göttinnenfiguren und zerstörte Stierbildnisse gefunden.

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