
Die Khasi leben in den Bergen von Assam, im Nordosten Indiens. Ihr Ursprungsvolk bewohnte einst ganz Indochina. Es gilt als gesichert, dass in der Jungsteinzeit das Leben in ganz Ostindien und Indochina so aussah wie bei den Khasi noch zu Anfang dieses Jahrhunderts.
Lebensweise:
"Kha-si" heißt "von einer Mutter geboren". Das Volk umfasst etwa 1 Million Menschen, etwa die Hälfte sind christlich. In ihrer ursprünglichen Religion gab es weder Tempel noch Götterbilder. Sie sagen: "Die Gottheit ist in uns allen, in dem, was wir essen, was wir planen. Ist sie männlich oder weiblich? Wir haben sie nie gesehen. Deshalb ist sie beides."
Die Frauen werden als groß und muskulös beschrieben, sie trugen und tragen Lasten zu den Märkten, die kein Hindu-Mann aus der Ebene auch nur hochheben kann.
Ursprünglich ein AckerbäuerInnen-Volk, entwickelten sie später auch einen regen Handel.
Es gibt verschiedene Stämme, die aus Sippen oder Clans bestehen. Die Sippenmutter ist Ursprung, Oberhaupt, Familienpriesterin und einigendes Band; sie vollzieht alle familiären Rituale. Noch vor wenigen Jahrzehnten war eine Frau weltliches und geistiges Oberhaupt, es gab eine bedeutende weibliche Priesterinnenschaft.
Es gilt die Matrilinearität; die Kinder gehören also der mütterlichen Sippe an, der biologische Vater gilt nicht als mit ihnen verwandt. Die jüngste Tochter erbt bis heute die materielle und spirituelle Verantwortung der Sippe.
Alltagsleben:
Die Sippenhäuser sind schlicht, ihr Zentrum ist der Herd. Die Sippenälteste verwaltet das gemeinschaftliche Land, Haus und Einkommen der Arbeit aller Sippenmitglieder. Sie betrachtet dies nicht als ihr Privateigentum, mit dem sie tun kann, was ihr beliebt, sondern sie verwaltet es im Sinne des Wohlergehens aller. Diese Verantwortung beruht auf natürlichen Beziehungen.
Sie hat Autorität, keine Befehlsmacht im Sinne patriarchaler Herrschaft, welche die Bedürfnisse und Wünsche der Menschen nicht berücksichtigt.
Sie hat natürliche Autorität, das heißt "Ratgeben von ihrer Seite und freiwillige Akzeptanz auf der Seite der Sippenmitglieder, die auf dem Boden familiären Respekts gewachsen ist." (Heide Göttner-Abendroth, siehe auch )
Die Bevölkerungszahl wird bewusst gleich gehalten. Wird eine Sippe dennoch zu groß, werden den älteren Schwestern Anbauten errichtet. Die Langhäuser waren oft sehr groß, manchmal bis zu 100 Meter lang, wie häufig bei matriarchalen Völkern. Bei jedem Khasi-Dorf gab und gibt es einen heiligen Hain, meist aus Eichen.
Häuptlingswesen:
Bei den Khasi entwickelte sich im Lauf der Zeit ein Häuptlingswesen. Der Häuptling war ein Sohn oder Neffe der Hohen Priesterin. Diese bewahrte Krone, Opfergeräte und Opfertiere auf und vollzog die heiligen Handlungen im Haus. Der König oder Häuptling vollzog in ihrem Auftrag die Zeremonie vor dem Haus, wobei sie ihm von der Tribüne aus zuschaute. Der Platz vor ihrem Haus entspricht also einem Tempel. Sie verwaltet den Staatsschatz und alles, was der Häuptling persönlich erwirbt.
Die Hohe Priesterin und der König leben wie alle Leute. Die Menschen zahlen ihnen weder Tribut noch Steuern, er hat nur Anrecht auf einen gewissen Anteil Land. Dafür musste er früher Jagden und Fehden organisieren. Mancher König gingen dabei pleite. Nicht selten lehnte ein ausgewählter Mann das Amt ab.
Als die Engländer dieses Gebiet besetzten, stärkten sie das männliche Häuptlingswesen, machten sie aber auch zu ihren Marionetten.
Es gab auch weibliche Häuptlinge; die letzte ist 1869 belegt. Die Hauptstadt Shillong wurde von einer Königin gegründet. Es liegt also der Schluss nahe, dass viel früher dieses Amt nur von Frauen ausgeübt wurde, bevor es den Männern - als ausführendes Organ der Hohen Priesterin - übertragen wurde.
Patriarchaler Druck:
Es gibt unterschiedliche Ansichten über den derzeitigen Stand der Entwicklung bei den Khasi. Nach der einen hatte die matriarchale Kultur bereits Ende des 19. Jahrhunderts ihren Niedergang erlebt und ist heute durch christlich-westliche und moslemische Einflüsse vollkommen zerstört.
Dennoch soll in manchen Teilen des Landes noch immer Besuchsehe betrieben werden. In der Provinz Maghalaya werden die Töchter bzw. wird die jüngste Tochter in die Schule geschickt, da sie für den Fortbestand und das Wohlergehen der Sippe verantwortlich sind/ist.
An der Universität von Shillong sind die Studentinnen in der Mehrheit, auch in an sich "männlichen" Studienfächern wie Biochemie.
Nina Röwer berichtet, dass die Khasi-Frauen im übrigen Indien einen schlechten Ruf haben. 1990 wurde in Shillong ein Bund gegründet, der die "Einführung des Patriarchats" fordert, er wird von außen unterstützt und gewinnt so an Einfluss. Einige Clans haben bereits den Vater zum Familienoberhaupt aufgewertet.
Doch noch immer gibt es Khasi-Frauen, die sagen: "Wir haben es nicht nötig, jemanden zu unterdrücken. Hier hört Indien auf."

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