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Nepal

Pressebericht vom 10.07.2001 22:18 MEZ 

Mädchen in Nepal zur Göttin Kumari erhoben

Gilt als Wiedergeburt der Göttin der Stärke


Die letzte Kumari (re.) mit SpielgefährtIn

Kathmandu - In Nepal ist am Dienstag (10. Juli 2001) ein vierjähriges Mädchen zur lebenden Göttin Kumari erhoben worden. Das Kind sei entsprechend der Tradition und mit vedischen Riten als Göttin eingesetzt worden, sagte der oberste Priester am nepalesischen Königspalast, Ramesh Prasad Pandey. 

Kumari gilt den Gläubigen im hinduistischen Königreich Nepal als Wiedergeburt der Göttin der Stärke, Taleju Bhavani. In der vergangenen Woche war die bisherige Kumari aus dem Amt ausgeschieden, weil sie die Pubertät erreicht hatte.

Aufgabe der Kumari ist es, die vor ihrem Tempel in der Hauptstadt Kathmandu versammelten Gläubigen mehrmals täglich zu segnen. 

Bei unglücklicher Kumari wird Naturkatastrophe erwartet

Bei dieser Gelegenheit trägt die lebende Göttin ein prächtiges goldenes Gewand und ihre Stirn ziert ein aufgemaltes drittes Auge. An Festtagen wird sie in einer Sänfte durch die Stadt getragen. "Viele erwarten eine Naturkatastrophe, wenn die Kumari nicht glücklich ist", sagte der Künstler Milan Shakya zur Bedeutung der Göttin.

Die Kumari wird traditionell in der Familie Shakya nach einer geheimen und strengen Prozedur ausgewählt. Der Name der neuen Kumari ist Reshmila Shakya.

Auch nach ihrer Amtszeit erhalten die lebenden Göttinnen eine bescheidene staatliche Rente. Ehemalige Göttinnen verbringen ihr Leben in aller Regel ehelos. Gläubige Männer scheuen sich, sie zur Frau zu nehmen. (Reuters)

Nepal

Die Newar in Nepal haben es geschafft, ihren Frauen das schreckliche Schicksal der Hindu-Ehefrauen zu ersparen. Denn diese sind in Indien nur die untergeordneten Dienerinnen ihres Gatten, den sie als Gott zu betrachten haben; sie sind die Sklavinnen ihrer Schwiegermutter, für die sie alle schweren Arbeiten verrichten müssen, ihre Ehe ist unauflösbar, und noch bis vor kurzem wurden sie beim Tod des Gatten der Hexerei verdächtigt und mit seinem Leichnam verbrannt - nur so konnten sie sich vom Verdacht des Übelwollens gegen ihn befreien.

In Nepal hingegen wurden alle Mädchen mit sechs Jahren symbolisch mit einem Gott vermählt; dadurch blieben sie ihr Leben lang die Gattinnen des Gottes und konnten nicht verbrannt werden, wenn ihr irdischer Mann starb. Nepal kennt keine Witwen. Die irdische Ehe kann von beiden Seiten gelöst werden.

Irene Fleiss

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