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Rom

"Erinnert euch all der Gesetze, mit denen unsere Vorfahren die Freiheit der Frauen gebunden haben... sobald sie uns gleichgestellt sind, sind sie uns überlegen." 

Diese Worte rief der römische Politiker Cato der Ältere seinen Mitbürgern zu.
Er musste also noch von der matriarchalen Vergangenheit der RömerInnen gewusst haben.

Die 30 sabinischen Muttersippen führten den ehrenvollen Beinamen "Curiae" (was in der "Kurie" des Vatikan und im Quirinal in Rom überlebt hat).
Der Name Rom ist vom Namen einer dieser Sippen abgeleitet. 

Zunächst hießen alle Kinder nach ihren Müttern, erst in der Republik (ab dem Ende des 6. Jahrhunderts v.u.Z.) wurde der Name des Vaters hinzugefügt.

Die Geschichte vom Raub der Sabinerinnen schildert die gewaltsame Eroberung der einheimischen Völker durch die eindringenden späteren Römer.
Der Stand der "Patrizier" wurde geschaffen: "die ihren Vater kennen".

Die Römer waren später stets bemüht, ihre Macht über ihre Söhne (und Töchter! und auch über die von ihnen unterworfenen Völker) festzuhalten und auszubauen.
Im frühen Rom war ritueller Königsmord in Form eines Messerattentats vor dem Altar üblich (tatsächliches oder symbolisches Königs-Opfer war bei vielen Völkern während der Übergangsphase vom Matriarchat zum Patriarchat Teil der heiligen Zeremonien), und zwar zu den Iden (dem Anfang) des März.
Auch Julius Caesar fiel einem solchen "Mord" zum Opfer. Von vielen wurde seine Gemahlin als Verkörperung der Göttin angesehen, der Caesar huldigte, um Erfolg in der Schlacht zu haben.

Nach Jahrhunderten brutalster Unterdrückung gelang es den Frauen zur Kaiserzeit, viele ihrer alten Rechte zurückzuerlangen. Mutter und Vater waren nun gleichberechtigt, Tochter und Sohn als Erben ebenfalls, Ehescheidung für beide Seiten problemlos. Jungfräulichkeit und eheliche Treue spielten keine besondere Rolle.
Kaiser Claudius war ein ergebener Anhänger der Göttin Kybele, die er als höchste Göttin des Reiches betrachtete.

Kaiser Augustus (eigentlich Oktavian), der Nachfolger des Julius Caesar, verdankte Titel und Amt seiner Heirat mit Livia Augusta. Diese war auch seine gleichberechtigte Mitregentin, sie plante ein Wiederaufbauprogramm für Rom, führte Rechtsreformen durch und ließ den Kult ihrer Göttin Juno Augusta wiederaufleben.
Nachfolger des Augustus wurde Livias erstgeborener Sohn von einem anderen Mann; es galt also immer noch oder eigentlich schon wieder die matrilineare Erbfolge.

Auch Marc Aurel verdankte den Thron seiner Frau Faustina, und so blieb es bis zu Kaiser Konstantin, der dann seine Frau Fausta brutal töten ließ und die christlichen, frauenverachtenden und -entrechtenden Gesetze einführte (ohne selbst Christ zu sein).

Es gab trotz aller Einschränkungen und Gewaltmaßnahmen Philosophinnen und Schriftstellerinnen - die Dichterinnen Theophila und Caecilia Tribulla etwa - und viele Ärztinnen, die auch maßgebliche Werke veröffentlichten.

Diese Rückkehr zum alten partnerschaftlichen Frau-Mann-Status wirft die Frage auf, ob es den Frauen gelungen wäre, die Verhältnisse weiter zu verbessern und welche Gesellschaftsform sich in diesem Falle hätte entwickeln können, hätten die Christen nicht den patriarchalen Monotheismus mit Gewalt durchgesetzt.

In der lateinischen Sprache haben sich viele matriarchale Reste erhalten, wie etwa avunculus, was Mutterbruder heißt, wörtlich "kleiner Ahnherr", er war dem Vaterbruder, patruus, übergeordnet.
"Ehe" hieß Matrimonium, Geschwister consobrini, "Schwesterpaar", wie auch im Deutschen.

Irene Fleiss

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