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Tibet

Tibet

Es gibt etliche Berichte in chinesischen Chroniken (905 - 581 v.u.Z.) über ein "Königreich der Frauen" in Nordtibet. Es hatte eine Ausdehnung von 9 Tagreisen in Ost-West-Richtung und von 20 Tagreisen in Nord-Süd-Richtung und wurde das Reich der Su-pi genannt, nach dem Titel der Königin.

Dieses Königreich wurde reich durch den Handel mit Zinn, Kupfer und Salz. 

Dort lebten 40.000 Familien in mehr als 80 Städten. 

Jede dieser Städte hatte etwa 2000 bis 2500 BewohnerInnen - ein in matriarchalen Stadtkulturen aus sozialen und ökologischen Gründen gebräuchliche Größenbegrenzung. 

"Denn nicht die Größe macht eine Stadt aus, sondern die Differenziertheit der Funktion - und diese war im Reich der Su-pi klar gegeben." 
(Heide Göttner-Abendroth)

Die Städte bestanden aus 6- bis 8-stöckigen Steinhäusern und lagen in den Steiltälern der Flüsse. Die Königin regierte zusammen mit einer "kleinen Königin", die bei ihrem Tod an ihre Stelle trat. Die regierende Königin traf sich alle fünf Tage mit mehreren hundert Frauen zum Staatsrat. Dies waren vermutlich die "bedeutendsten Sippenmütter der matrilinearen Sippen, die mit der Königin zusammen die Geschicke des Landes bestimmten." (Die gleiche Organisations-Struktur wie im Alten Japan.)

Die Männer empfingen die Beschlüsse aus dem Inneren des Palastes, leiteten sie weiter, führten sie aus. "Sie waren als 'Abgesandte der Frauen' im Reich anerkannt.

Reiche Frauen hatten mehrere Männer um sich, Ehemänner oder Diener, das ist nicht überliefert, die ihnen auch bei den Frisuren und der Kosmetik zur Hand gingen. Eifersucht war unbekannt, sie ist etwas typisch patriarchales. (siehe Eifersucht) Im Westen lag ein zweites von Frauen regiertes Land, in dem etwa 3,5 Millionen Menschen lebten. Auch hier war die königliche Macht weiblich und erblich.

In den chinesischen Chroniken werden die Tibeterinnen als würdevoll und mutig beschrieben, die Männer als scheu. In Tibet wurde bis ins vorige Jahrhundert Vielmännerei betrieben. Diese war eine Form der Gruppenehe zwischen Schwestern und Brüdern zweier Sippen aus ökologischen Gründen. Sie entwickelte sich dahin, dass jeweils eine Frau alle Brüder einer Familie heiratete und so deren Arbeitskraft auf sich vereinigte.

Wurde nach der Heirat von der Schwiegermutter noch ein Sohn geboren, so wurde er im passenden Alter "dazugeheiratet".

Tibetische Frauen sind ehrlich empört, wenn sie von Ehen mit nur einem Mann hören - wie solle denn da eine Frau glücklich und wohlhabend werden können?
Aller Besitz gehörte der Frau. Starb sie, trat die nächst ältere Schwester an ihre Stelle. Die TibeterInnen lebten oft neolokal (im eigenen neuen Haushalt).

Im Haus oder Zelt war die Frau unumschränkte Herrin, sie erhielt das gesamte Erbe und Einkommen der Ehemänner als Treuhänderin, sie verfuhr damit nach Belieben, aber natürlich in Verantwortung für die Familie.

Die tibetischen Männer verließen sich auf ihre Frauen, und auf sonst niemandem und vertrauten somit auch ihren Anweisungen, die sie befolgten. Die Frauen arbeiteten auch außer Haus (das ist nicht in allen matriarchalen Gesellschaften so, je nach Klima und Lebensbedingungen) und hatten bis vor kurzem den ganzen Gütertransport in der Hand. In früheren Zeiten hat ein Frauenrat prinzipiell den ganzen Handel geregelt.

Matrilinearität war selbstverständlich, die Kinder - Mädchen und Jungen - bezogen sich nur auf ihre Mutter. Bei polyandrischer Gruppenehe und zusätzlichen freien Liebesbeziehungen ist dies auch nur logisch.

 

Irene Fleiss

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